Misericordias Domini, 18.04.2021

Ein Gottesdienst zu Hause und mit allen – durch den Geist verbunden

Finden Sie einen Ort in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus, wo Sie gerne Gottesdienst feiern. Es sollte ein Ort sein, an dem Sie (und Ihre Mitbewohner/innen) möglichst ungestört sind und sich wohl fühlen. Richten Sie diesen Ort liebevoll her, so dass für alle eine Sitzgelegenheit zur Verfügung steht.
Stellen Sie eine Kerze auf, so dass sie für alle, die mitfeiern, sichtbar ist. Wenn Sie alleine feiern, lesen Sie sich die Worte vor oder schauen Sie sich das Video an.
Wenn Sie zu mehreren sind, können Sie den Psalm auch im Wechsel in zwei Gruppen lesen und die verschiedenen Texte unter sich aufteilen.
Das vorgeschlagene Lied können Sie auch sprechen, wenn Sie es nicht singen möchten.

Versammeln Sie sich nach Möglichkeit einige Minuten, bevor Sie den Gottesdienst feiern, und halten Sie eine kleine Zeit der Stille.

Kerze anzünden

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Die Kollekte an diesem Sonntag ist bestimmt für

Clownsvisite e.V. Kaiserstr. 94, 58300 Wetter (Ruhr)

www.clownsvisite.de

Spendenkonto: Stadtsparkasse Dortmund

IBAN DE 63 4405 0199 0401 013482

Wochenspruch (Joh 10):
Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie. Und sie folgen mir, und ich gebe ihnen das ewige Leben.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herren,

der Himmel und Erde gemacht hat.

Psalm 23:

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Gebet:

Gott allen Lebens,

du bist der gute Hirte derer, die an dich glauben. Manchmal vergessen wir das und machen uns selbst auf den Weg. Manchmal geht das gut, aber dann verirren wir uns doch und wissen nicht mehr weiter. Gut, dass du dann da bist, wenn wir es brauchen. Dafür danken wir dir und bitten dich, dass du uns nicht aufgibst, wenn wir uns auf unsere eigenen Wege machen.

Das bitten wir dich durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit.

Lesung: Joh 21,15-19

Da sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr, als mich diese lieb haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer!

Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!

Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst und gingst, wo du hinwolltest; wenn du aber alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und führen, wo du nicht hinwillst.

Das sagte er aber, um anzuzeigen, mit welchem Tod er Gott preisen würde. Und als er das gesagt hatte, spricht er zu ihm: Folge mir nach!

Glaubensbekenntnis

Weiter gehts mit einem Video oder als Lesegottesdienst:

 

Ansprache

Gnade sei mit euch und Frieden von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Liebe Gemeinde,

wir haben zwei Katzen, mittlerweile seit über acht Jahren, und wir lieben sie heiß und innig. Sie sind sehr anhänglich, und wer schon mal eine Videokonferenz mit mir hatte, wird vermutlich mindestens einmal gesehen haben, wie Bella über d en Schreibtisch und durchs Bild schritt. Ich möchte sie nicht missen! Allerdings sind es eben Katzen, die wollen nicht ständig kuscheln, sondern ab und zu auch mal ihre Ruhe haben, und da sie nicht raus dürfen, suchen sie ihr Plätzchen halt im Haus.

Im letzten Sommer wurden wir dann ziemlich auf die Probe gestellt. Ich sah mich im Wohnzimmer um und sah nur den Kater. Weil die Kellertür offen war, dachte ich, Bella sei runtergelaufen und machte mich auf die Suche. Und fand sie nicht. Da fragte ich mich, wo sie denn wohl sei, aber ich fand sie nirgends. In der Zwischenzeit war der Rest meiner Familie wieder nach Hause gekommen, und weil ich schon ziemlich nervös war, halfen sie suchen. Wir fanden sie nicht. Und dann kam die Angst. Hatte doch jemand die Haustür aufgemacht und war Bella dann heimlich rausgerannt? Sie konnte sich draußen nicht zurechtfinden.

Wir teilten uns auf. Die einen suchten die Nachbarschaft ab, die anderen stellten das ganze Haus auf den Kopf. Mittlerweile hatten wir alle Tränen in den Augen und waren völlig am Ende. Über fünf Stunden haben wir gesucht und gebangt.

Schließlich hat meine Frau sie gefunden. Sie saß, kaum sichtbar, in einem Bücherregal im Arbeitszimmer, in der zweiten Reihe, und hatte die ganze Zeit keinen Mucks von sich gegeben. Wie erleichtert wir alle waren, können Sie sich wohl vorstellen.

Natürlich fiel mir das auch gleich wieder ein, als ich den Predigttext für heute las. Ein Gleichnis Jesu, erzählt vom Evangelisten Lukas im 15. Kapitel (1-7):

Es nahten sich Jesus aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Das biblische Gleichnis erzählt von einem Menschen, der verliert, sucht, findet und sich darüber freut. Der Hirte der aktive Part. Dieser aktiven Rolle entspricht natürlich eine passive Rolle. Das Schaf bzw. jemand, wer auch immer geht verloren, wird gesucht, schließlich gefunden, getragen, und ich denke mal, es freut sich auch.

Das Gleichnis ist bekannt, und die Identifikation mit der passiven Rolle ist naheliegend, finde ich jedenfalls. Und diese Rolle ist nicht unattraktiv. Denn versetzen wir uns mal in die Lage des Schafs: Ich bin wichtig. So wichtig, dass ich aus der Masse herausrage, so wichtig, dass sich jemand speziell um mich kümmert, für mich ein Risiko eingeht. Es geht um mich, ich bin gefragt.

Und ich werde getragen. Ein Stück des Weges wenigstens, und für eine gewisse Strecke kann ich mich hängen lassen, muss nicht organisieren, entscheiden und lasse mich ein wenig betüddeln. Das ist ausgesprochen wohltuend.

Doch es gibt auch noch die aktive Rolle: Ich habe etwas verloren. Aber ich finde mich mit dem Verlorenen nicht ab. Ich stecke nicht den Kopf in den Sand, sondern ich ergreife die Initiative, ich mache mich auf die Suche.

Andere brauchen mich: meine Geduld, meine Orientierung, meine Kraft, meinen Mut, meine Liebe, mein Vertrauen. Auch diese Rolle kenne ich, und sie gefällt mir zugegebener Weise auch ganz gut, wenn ich um Rat gefragt werde, wenn ich selbst gefordert bin, diesem und jenem nachzuspüren. Und ich habe diese Rolle auch oft genug, die des Hirten. Wichtig ist dabei, dass ich diese Hirtenrolle, diese Aufgabe aber auch mir selbst gegenüber habe und mich deshalb besonders auf die Suche machen muss – auch nach mir selbst.

Auf die Suche nach eventuell verlorener Lebensfreude, nach Zufriedenheit, beruflicher Perspektive, dabei aber auch Kämpfen um eine Ehe, sich um ein „schwieriges“ Kind bemühen oder abgerissene Gesprächsfäden wieder aufzunehmen und in festgefahrenen Situationen nach Lösungen suchen. Gerade im Moment, wo alles festgefahren und zerrissen scheint.

All das hat viel mit Suchen zu tun, und auch damit, sich um andere wie um sich selbst zu bemühen. Was bedeutet dieses „Sich auf die Suche machen“ für uns selbst, aber auch für unser Zusammenleben hier, vor Ort, in der Gemeinde?

Zunächst mal ist dieses Suchen Ausdruck der Wertschätzung. Wir gehen Menschen nach, das heißt, sie sind uns wichtig, es ist uns nicht egal, wie es ihnen geht bzw. was ihnen passiert. Sondern wir achten aufeinender und helfen einander, wenn es nötig ist, sehen nicht weg, wenn wir gebraucht werden. Wie viel Zeit, Energie, Kreativität haben wir dafür übrig?

Oft nehmen wir uns dafür nicht so viel Zeit, das geht mir selber so.  Dabei wäre das wichtig. Wie wichtig, merken wir dann, wenn wir diejenigen sind, die gesucht werden, die Hilfe brauchen oder mit ihren Fragen nicht mehr weiter wissen. Und dann merken wir: Wir sind tatsächlich beides, nahezu immer: Hirten und Schafe, Suchende wie die, die gesucht werden.

Beide Seiten kennen wir, und deshalb sind wir auch aufeinander angewiesen, deshalb leben wir in einer Gemeinschaft, damit wir uns gegenseitig eine Hilfe sein können und einander suchen. Und dieses Suchen und Gesucht werden fängt im ganz Kleinen an, im Alltag, nicht in großen Aktionen oder Taten, die wir gar nicht überschauen können. Im Grunde beginnt alles damit, dass wir ein Auge riskieren für andere, ihre Sorgen und ihre Freuden. Aufdrängen müssen wir uns gar nicht, aber auch nicht abweisen.

Dann können wir uns um so mehr freuen, aufeinander und übereinander, denn dann haben wir eine Gesellschaft, die funktioniert, in der wir immer wieder neu lernen, was Gemeinschaft heißt.

Amen.

Lasst uns beten:

Gott, wir danken dir für deine Liebe, die du uns Menschen und deiner Schöpfung erwiesen hast. Du gehst uns nach, gibst uns Mut und Kraft zum Leben.

  • Wir danken dir für das, was in der Vergangenheit und der letzten Zeit trotz allem möglich war und bitten dich: Sei auch in Zukunft bei uns, schütze und bewahre uns, damit dein Reich auch hier wachsen kann.
  • Wir wollen dich, Gott, um die Kraft der Liebe bitten, in allem, was wir tun.
  • Wir möchten unseren Pflichten mit Liebe nachkommen, sonst werden wir verbittert.
  • Wir möchten die Wahrheit mit Liebe sagen, sonst werden wir kritiksüchtig.
  • Wir möchten Klugheit mit Liebe verbinden, sonst werden wir gerissen.
  • Wir möchten Freundlichkeit aus Liebe zeigen, sonst werden wir heuchlerisch.
  • Wir möchten Ordnung mit Liebe halten, sonst werden wir kleinlich.
  • Wir möchten Sachkenntnis mit Liebe zeigen, sonst werden wir rechthaberisch.
  • Wir möchten den Glauben mit Liebe verbinden, sonst werden wir fanatisch.

Darum bitten wir dich.

Amen

Vater unser

Segen:

Es segne und behüte euch der lebendige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Pfr. Tobias Bergmann

 

Gemeindebüro

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